Coronavirus-Infektionen können zu Delir und PTSD führen


Menschen, die an COVID-19 erkrankt sind, können während ihres Krankenhausaufenthaltes und möglicherweise auch nach ihrer Genesung psychische Probleme entwickeln. Dies legt eine aktuelle Metaanalyse nahe, die Daten von früheren Epidemien und Pandemien mit Coronaviren ausgewertet hat.

In der systematischen Übersichtsarbeit, die in “The Lancet Psychiatry” veröffentlicht wurde, wurden die Ergebnisse von Kurz- und Langzeitstudien zu rezenten Epidemien und Pandemien mit Coronaviren ausgewertet, darunter SARS den Jahren 2002-2004, MERS im Jahr 2012 sowie COVID-19 in diesem Jahr.

Die Analyse ergab, dass eine von vier Personen, die mit COVID-19 ins Krankenhaus eingewiesen wurden, während der Erkrankung ein Delir entwickelt – ein bekanntes Problem bei Krankenhauspatienten, das das Sterberisiko erhöhen oder die Krankenhausaufenthalte verlängern kann.

Die Auswirkungen von COVID-19 nach der Genesung sind noch nicht bekannt, weshalb die Annahmen der Autoren zu Langzeitrisiken wie posttraumatische Belastungsstörung (PTSD), chronische Müdigkeit, Depression und Angstzustände auf SARS- und MERS-Studien basieren.

Der Mitverfasser Dr. Jonathan Rogers (UCL Psychiatry und South London and Maudsley NHS Foundation Trust) sagte dazu: “Die meisten Menschen mit COVID-19 werden keine psychischen Gesundheitsprobleme entwickeln, auch nicht diejenigen, die aufgrund einer schweren Erkrankung stationär behandelt werden müssen. Angesichts der großen Zahl von Menschen, die krank werden, könnten die globalen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit jedoch beträchtlich sein.“

Die Autoren der Studie analysierten 65 von Fachkollegen begutachtete Studien und sieben kürzlich erschienene Vorabdrucke, die noch auf ihre Begutachtung warten. Sie enthielten Daten von mehr als 3500 Menschen, die an einer der drei verwandten Krankheiten erkrankt waren. Die Analyse umfasste nur die Ergebnisse von Personen, die im Krankenhaus behandelt wurden, und nicht von Personen mit leichteren Fällen. Die Ergebnisse umfassen sowohl akute Symptome während der Krankheit als auch Langzeitergebnisse von zwei Monaten bis zu zwölf Jahren.

Fast eine von drei Personen, die mit SARS oder MERS ins Krankenhaus eingeliefert wurden, erkrankten nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von fast drei Jahren an PTBS, insbesondere wenn sie anhaltende körperliche Gesundheitsprobleme hatte. Die Raten von Depressionen und Angstzuständen waren ebenfalls hoch und lagen bei etwa 15 Prozent ein Jahr oder länger nach der Erkrankung, wobei weitere 15 Prozent auch einige Symptome von Depressionen und Angstzuständen ohne klinische Diagnose aufwiesen. Bei mehr als 15 Prozent traten auch chronische Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen oder Konzentrations- und Gedächtnisstörungen auf.

Während des Krankenhausaufenthaltes erlebte eine signifikante Minderheit von Menschen mit Coronavirus-Infektionen Symptome eines Delirs wie Verwirrung, Unruhe und Bewusstseinsstörungen. Fast 28 Prozent der Menschen, die wegen SARS und MERS ins Krankenhaus eingeliefert wurden, litten unter Verwirrtheit, und erste Hinweise aus der laufenden Pandemie deuten darauf hin, dass das Delir bei COVID-19-Patienten ähnlich häufig auftreten könnte. Die Autoren fanden einige vorläufige Beweise dafür, dass das Delir möglicherweise mit einer erhöhten Mortalität während des MERS-Ausbruchs in Verbindung gebracht wurde.

Co- Autor Dr. Edward Chesney (Institut für Psychiatrie, Psychologie & Neurowissenschaften, King’s College London und South London und Maudsley NHS Foundation Trust) sagte dazu: “Wir brauchen mehr Forschung darüber, wie wir psychischen Gesundheitsproblemen langfristig vorbeugen können. Eine Möglichkeit könnte darin bestehen, die soziale Isolation zu verringern, indem man den Patienten erlaubt, mit ihren Angehörigen über Videolinks zu kommunizieren”.

Die Forschungsarbeiten identifizierten auch einige der Risikofaktoren, die mit schlechterer psychischer Gesundheit verbunden sind. Die Forscher stellten fest, dass die Besorgnis über die Krankheit langfristig mit einer schlechteren psychischen Gesundheit einherging. Mitarbeiter des Gesundheitswesens hatten langfristig schlechtere Outcomes der psychischen Gesundheit als andere Gruppen, während eine gute körperliche Genesung eine bessere langfristige psychische Gesundheit voraussagte.

“Während die meisten Menschen mit COVID-19 ohne psychische Erkrankungen genesen werden, müssen wir erforschen, welche Faktoren zu dauerhaften psychischen Gesundheitsproblemen beitragen können, und Interventionen zu deren Prävention und Behandlung entwickeln.

Originalpublikation:
Jonathan PR et al. Psychiatric and neuropsychiatric presentations associated with severe coronavirus infections: a systematic review and
meta-analysis with comparison to the COVID-19 pandemic.
The Lancet Psychiatry, 18. Mai 2020

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