Virushepatitis: Noch viel zu tun in Europa


Ungefähr vier von fünf Menschen mit Hepatitis B und drei von vier Menschen mit Hepatitis-C-Infektion in der Europäischen Union und im Europäischen Wirtschaftsraum (EU/EWR) sowie in Großbritannien haben noch keine Diagnose erhalten. Dieser Umstand stellt ein großes Hindernis auf dem Weg zum Ziel des Sustainable Development Goal (SDG) für die Gesundheit im Jahr 2030 dar. Das hat das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) anlässlich des heutigen Welt-Hepatitis-Tages hervorgehoben.

Das ECDC arbeitet nach eigenen Angaben eng mit der Weltgesundheitsorganisation zusammen, um die Fortschritte bei der Beseitigung von Hepatitis B (HBV) und C (HCV) in der EU beziehungsweise im EWR zu überwachen. Der erste Fortschrittsbericht zeigt große Lücken in den Präventionsprogrammen in der Region mit suboptimaler HBV-Impfrate auf. Mängel gebe es außerdem auf dem Gebiet der Prävention bei Drogenkonsumenten, die spritzen.

Der Bericht zeigt, dass in den meisten Ländern belastbare Daten für das sogenannte Versorgungskontinuum („continuum of care“) fehlen. In den meisten Ländern gebe es keine Zahlen zu diagnostizierten Fällen und solchen, die sich in Behandlung befinden. Die Daten jedoch, die verfügbar sind, deuten jedoch darauf hin, dass ein großer Anteil der Menschen mit Hepatitis-B- und -C-Infektionen keine Diagnose erhalten, und dass viele derjenigen, bei denen eine Hepatitis-B- und -C-Infektion diagnostiziert wurde, keine lebensrettende Behandlung bekommen.

Die verfügbaren Hinweise deuten laut dem ECDC auch darauf hin, dass Personen mit hohem Infektionsrisiko – einschließlich Personen, die Drogen injizieren, und Inhaftierte – nicht nicht zu den Zielgruppen für Tests gehören.

Darüber hinaus ist die Mortalität im Zusammenhang mit Virushepatitis in der gesamten Region hoch, und es gibt laut dem ECDC nur sehr wenige Hinweise auf Fortschritte bei der Erreichung des Eliminierungsziels für 2030: einer Senkung der Mortalität gegenüber dem Ausgangswert von 2015 um 65 Prozent.

„Mit Blick auf die neuesten Monitoring-Ergebnisse und Surveillance-Daten im Jahr 2020 müssen wir zu dem Schluss kommen, dass wir nicht auf dem richtigen Weg sind, um das Ziel für 2030 zu erreichen. Um dorthin zu gelangen, muss Europa seine Anstrengungen massiv verstärken, um die Zahl der Menschen zu senken, die noch niemals auf Hepatitis B und C getestet worden sind – insbesondere unter denjenigen Menschen mit dem höchsten Infektionsrisiko“, betont ECDC-Direktorin Andrea Ammon anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages am 28. Juli. „Sichere und wirksame Impfstoffe sind die tragende Säule der Hepatitis-B-Prävention. Darüber hinaus gibt es eine wirksame Hepatitis-Behandlung, die die Gesundheit derjenigen verbessert, die sie auch tatsächlich erhalten. Die Behandlung hilft außerdem, eine weitere Übertragung zu verhindern. So einfach ist das: Die Menschen müssen ihren Hepatitis-Status kennen, wenn wir bis 2030 Fortschritte bei der Beseitigung dieser Krankheiten machen wollen.“

Europäische Surveillance-Daten zeigen eine anhaltende Übertragung von Hepatitis B und trotz eines jüngsten leichten Rückganges hohe jährliche Hepatitis-C-Diagnosen.

Jüngsten Ergebnissen des ECDC zufolge haben jedoch nur wenige Länder in der EU beziehungsweise im EWR das Ziel des Europäischen Aktionsplanes für 2020 erreicht, der lautet, bei 50 Prozent der Menschen mit chronischer Hepatitis zu einer Diagnose zu kommen.

Die ECDC-Leitlinien für Tests bieten einen Überblick über wirksame Strategien zur Identifizierung von Personen mit nicht diagnostizierter Infektion und unterstreichen die Bedeutung von Community-Tests und die Integration von Testdiensten (z. B. HIV und Hepatitis), um Synergien und Effizienz in Zeiten knapper Ressourcen zu ermöglichen.

Der European Test Finder erleichtert das Auffinden von Teststellen für HIV, Hepatitis und sexuell übertragbare Infektionen in ganz Europa.

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